Gut, dass es Kirchentage gibt!

Der 35. Deutsche Evangelische Kirchentag in Stuttgart ist vorbei, und es beginnt die Zeit des Nachdenkens und Nacharbeitens über all das, was man erlebt und gehört hat.

Hier lesen Sie Kirchentags-Eindrücke einiger unserer Aichwalder Gemeindeglieder.

Wir  haben "Gräbele" geteilt, über Lebens- und Glaubensthemen nachgedacht, viel gesungen und gelacht, waren in überfüllten S- und U-Bahnen unterwegs, haben mit fremden Menschen Freude und Leid erlebt und immer wieder gestaunt über die Vielfalt eines Kirchentages. Und über allem sind wir klüger geworden.
Ursula und Ulrich Fischle

Sehr beschäftigt hat mich die Bibelarbeit von Eckart von Hirschhausen: der Kabarettist, Entertainer, immer lustig und einen flotten Spruch auf den Lippen - er erscheint oberflächlich. Auf dem Kirchentag habe ich ihn ganz anders erlebt: nachdenklich, ernsthaft, tiefgründig - zwischendurch aber auch immer wieder ein Spruch zum Lachen. In einem Nebensatz erzählte er, dass er vor jedem Auftritt ein Kirchenlied singe, das ihm schon während der schweren Krankheit seines Sohnes Kraft und Halt gegeben habe. Vielleicht heißt "klug werden", nicht nur das Offensichtliche zu beurteilen, sondern auch einmal hinter die Fassade zu schauen. Und ich habe Bilder in mir: Hitze, viel Wasser trinken, unermüdliche, immer freundliche Helfer, Musik,  auf dem Straßenpflaster sitzen im Schatten, volle S-Bahnen in denen trotzdem niemand schimpft, unvermutete Begegnungen, gute Gespräche und immer eine gute Atmosphäre, auswärtige Kirchentagsbesucher in Aichwald - meine Heimat als herzlicher Gastgeber.
Nina Paltian

Es war - wie bei früheren Kirchentagen - eine Mischung aus vielen verschiedenen Einzelbausteinen: die große Zahl der meist fröhlichen, vielfach jungen Menschen bei ihrem gemeinsamen Wunsch, Inhaltliches, das nachwirkt, in mal ernster, mal witziger, mal nachdenklicher Form zu erleben, die Freude, wenn das gelingt, die Enttäuschung, vor gefüllten Räumen kapitulieren zu müssen. Für uns besonders an diesem Kirchentag waren die Gespräche mit unseren netten "Gräbele"-Gästen bis nachts um halb zwei.
Ulrike und Jürgen Blum

Schon die Fahrt mit der S-Bahn war ein Erlebnis. Überall froh gelaunte Menschen mit roten Schals. Geboten wurden sehr interessante Veranstaltungen. Besonders hervorheben möchte ich die Bibelarbeiten mit Eckart von Hirschhausen und Frank-Walter Steinmeier. Auf allen Bühnen gab es Musik und Diskussionen. Insgesamt war in der Stadt eine beschwingte, positive Stimmung, die an jedem Abend mit dem besinnlichen Abendsegen ausklang. Freue mich schon auf Berlin/Wittenberg 2017.
Andrea Geyer, Schanbach

Highlights des Kirchentages: Spannend waren für mich die Bibelarbeiten bei Margot Käßmann und Eckart v. Hirschhausen, aber auch die Debatte des Soziologen Hartmut Rosa mit Bundespräsident Gauck über 'Kluges Leben. Gutes Leben'. Beide diskutierten klug und eloquent, fair und voller Herzblut über die Zukunft unserer Gesellschaft. Ans Herz gingen mir die Musik und die Texte von "2FLÜGEL", das Konzert von Andi Weiss und der Tagesausklang am Schlossplatz mit 1000 Kerzen in einer lauen Sommernacht. Unbeschreiblich!
Pfr. Konrad Mohl

Wir konnten einer Einladung zu einem abendlichen Tischgespräch in das "Gläserne Restaurant" folgen mit dem Thema "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, genussvoll dinieren im Dialog". Ein Highlight: Die Tischrede hielt der Kirchentagspräsident Prof. Dr. Dr. Andreas Barner und anschließend referierten und diskutierten Experten aus der Alternativen Land- und Lebensmittelwirtschaft. Das Essen wurde gekocht und serviert vom "Gläsernen Restaurant", eine Gründung der Akademie Bad Boll und seit 15 Jahren auf Kirchtagen aktiv.
Brunhilde und Otto Werner

Für einige Mitarbeitende der Jugendwerke Aichwald und Baltmannsweiler-Hohengehren startete der Kirchentag schon am Mittwochmorgen um 6:30 Uhr. Im Aichschießer Gemeindehaus wurden bis Mittag wie am Fließband 850 leckere Wraps gewickelt und verpackt. Diese wurden den hungrigen Kirchentagsbesuchern beim Abend der Begegnung dann, zusammen mit kalten Getränken und Mohrenkopfdatschis, mit viel Freude und marktschreierischen Fähigkeiten zum Kauf angeboten. Auch der von uns gestaltete Wissensparcours, bei dem man unter anderem lernen konnte, dass eine durchschnittliche Regenwolke so viel wiegt wie 80 Elefanten, wurde vom Kirchentagspublikum gut angenommen.
Evang. Jugendwerk Aichwald (eja)

So könnte Ökumene aussehen: Eine Bibelarbeit mit der Gründlichkeit und dem Tiefgang eines Protestanten vorgetragen in mitreißender Fröhlichkeit eines Katholiken. So konnte Reinhard Kardinal Marx in seiner Bibelarbeit im Dom St. Eberhard beide Seiten verbinden und seine Zuhörer zu einem biblisch fundierten und fröhlichen Glauben ermutigen. Und so können Menschen klug handeln angesichts des drohenden Klimawandels: Hervorragende Kenner der internationalen politischen Entwicklungen, Prof. Dr. Dirk Messner und sein britischer Kollege Dr. Thomas Hale zeigten, dass es hoffnungsvolle Ansätze gibt, die weltweite Energiewende doch noch zu schaffen - ohne dabei das zu verschweigen, was Anlass zu großer Sorge gibt.
Michèle und Hermann Jetter

Ich bin ich gerne auf Kirchentagen und nutze ein ganz breites Spektrum an Angeboten. Dazu gehört einen Gottesdienst zu feiern, bei einer Bibelarbeit mal wieder gründlicher über einen Text nachzudenken und gute Anregungen zu bekommen. Ich habe die Möglichkeit, mich bei besonderen Themen etwas sachkundig zu machen, z.B. wie funktioniert die Börse in Stuttgart oder was können wir aus Stuttgart 21 lernen. Der Kirchentag ist auch immer ein Treffpunkt mit guten Bekannten aus nah und fern. Besonders beeindruckt war ich vom Projekt Trimum, einer Art Oratorium, bei dem alle 3 monotheistischen Religionen (Islam, Judentum, Christentum) sich mit den vielen Stimmen Davids beschäftigten. Nicht zuletzt war es schön mit anderen Bläsern an verschiedenen Plätzen in Stuttgart mehrmals zu musizieren.
Walter Knapp

Kirchentag 2015: Früh aufstehen, den roten "Damit-wir-klug-werden"-Schal umbinden und mit zusammenrückenden, singenden Menschen in einer vollen Bahn nach Stuttgart fahren, um dort große Worte von prominenten Rednern in der Schleyer-Halle oder herzberührende Musik im Keller eines Gemeindehauses am Rande der Stadt zu hören. Wahrnehmen, denken, fühlen - das Angebot war unerschöpflich bis am Abend mit tausenden von Lichtern in lauer Sommernacht beim Abendsegen die Nacht eingeläutet wurde. Kirchentag Berlin 2017, wir sind dabei!
Uta Techt

Herzhaftes Lachen tut der Seele gut: Bei einer kabarettistischen Bibelarbeit brachte Prof. Dr. Okko Herlyn auch klingende Verse zu Gehör: "Endlich ist mal wieder Kirchentag. Kirchentag, wie ich ihn wirklich mag: roter Schal und Sitzkarton, Andacht, Podiumsdiskussion. Endlich ist mal wieder Kirchentag. Ach, es war 'ne schrecklich lange Zeit von dem letzten Kirchentag bis heut ohne Tanzmeditation, ohne Merkel, Bedford-Strohm, viel hab ich vermisst an Köstlichkeit: Erbsensuppe, auch vegan, Markt der Möglichkeit, Rock und Pop, auch simultan, Zweifel, Frömmigkeit. Drum: Nichts wie hin zum coolen Kirchentag. Kirchentag, wie ich ihn wirklich mag: Frauenforum, Männertag, Kabarett und Kräuterquark. Endlich ist mal wieder Kirchentag."
Konrad Steinbach