05.05.2012

Familienzentren bergen große Chancen

Drei Jahre lang wurde im Familienzentrum Evangelisches Gartenstadthaus in Esslingen, das von der Evangelischen Kirchengemeinde Oberesslingen getragen wird, das Konzept „Early Excellence Centre“ (EEC) erprobt. Nun ist das Modellprojekt, das von der Hochschule Esslingen wissenschaftlich begleitet wurde, ausgelaufen. Die Verantwortlichen sind jedoch zuversichtlich, dass große Teile des Erarbeiteten in der Kindertagesstätte weitergeführt werden können.

Das EEC-Konzept gründet auf der Erkenntnis, dass Kindertageseinrichtungen heute sowohl sozialer Lernraum und Bildungsstätte für Kinder als auch Dienstleistungs- und Kommunikationsort für ihre Familien sein sollten. Projektträger waren die Stadt Esslingen und die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen. 110 Kinder werden in der Kindertagesstätte im Gartenstadthaus in sechs Gruppen und von insgesamt 18 Erzieherinnen betreut. Das Betreuungsangebot ist stark an den Bedürfnissen der Eltern orientiert und reicht von Kleinkindbetreuung in der Kinderkrippe bis zur Ganztagesbetreuung.
 
Früh die Eltern ansprechen
 
„Eine solch große Einrichtung braucht ein ausgefeiltes pädagogisches Konzept“, erklärt Dekan Bernd Weißenborn, warum man sich für das EEC-Konzept entschieden habe. Nach dem Abriss der Gartenstadtkirche hatte die evangelische Kirche dort mit dem Gartenstadthaus ein Familienzentrum mit Räumen für die Kirchengemeinde und die Kindertagesstätte gebaut. „Wir wollten möglichst früh vor allem auch Eltern ansprechen, die nicht so stark in der Lage sind, Kindern eine umfassende Förderung zu geben“, verweist Bruno Raab-Monz, Leiter des Amts für Sozialwesen der Stadt Esslingen auf die damalige Situation in der Esslinger Gartenstadt mit vielen Familien mit Migrationshintergrund. Mit der Erschließung des neuen Baugebiets „Rosselen“ habe sich die soziale Durchmischung allerdings inzwischen verändert.

Kita als Unterstützungsplattform
 
Das EEC-Modell ziele auf Bildungsgerechtigkeit, betont Professor Dr. Nina Kölsch-Bunzen von der Hochschule Esslingen, die das Projekt wissenschaftlich begleitet hat. Nach dem Leitsatz „kein Kind darf verloren gehen“, fußt das Modell auf drei Säulen. Neben der pädagogischen Bildungsarbeit mit Kindern, die auf deren individuelle Begabungen und Fähigkeiten eingeht, steht die intensive Erziehungspartnerschaft mit den Eltern. Zugleich sollen die Bedürfnisse der Familien in den Blick genommen werden. Durch Vernetzung mit den unterschiedlichsten Beratungs- und Hilfsangeboten in der Stadt will man gesellschaftliche  Teilhabe ermöglichen. „Die Kita ist eine Unterstützungsplattform“, fasst Kölsch-Bunzen zusammen.

Diakonisches Anliegen
 
Die Kirchengemeinde Oberesslingen verfolgt mit dem pädagogischen Konzept im Gartenstadthaus  vor allem einen diakonischen Ansatz. „Es geht uns um gute Nachbarschaft und das Verständnis für andere Kulturen und Religionen“, sagt Helga Baumann, die Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Projektleiterin Renate Fischer-Espey hat vielerlei Dinge auf den Weg gebracht. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem interkulturellen Bereich.
 
Aus dem Deutschkurs für  Frauen entwickelte sich der zwanglose „Strick- und Schwätz-Treff für Frauen aus aller Welt“, bei dem nicht nur geredet, gestrickt und gehäkelt, sondern ganz nebenbei auch Alltagsprobleme gelöst werden. Kooperationen mit Schulen wurden auf den Weg gebracht und die musikalische Früherziehung für alle Kinder der Kita angeboten. Verschiedene Treffs von Eltern und Stadtteil-Bewohnern fanden sich zusammen.

Impulse weitertragen
 
Nach dem Auslaufen des Projekts sollen viele der gelungenen Angebote fortgesetzt werden. Eltern, andere Ehrenamtliche, Sprachhelferinnen und Erzieherinnen haben sich dazu bereiterklärt. „Sie können einen Teil der Impulse weitertragen“, ist Helga Baumann überzeugt. Dass dies auch für die Erzieherinnen eine große Herausforderung ist, weiß sie. „Die Teams müssen dahinterstehen und die Raumressourcen vorhanden sein“, nennt Raab-Monz die Rahmendbedingungen. Die Stadt Esslingen sehe große Chancen in dem Konzept des Familienzentrums.

Autor: Ulrike Rapp-Hirrlinger

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