11.05.2012
Ein einladendes Haus für die Esslinger Oststadt
Mancher Besucher hat seine liebe Not, sie zu finden: Fast versteckt liegt die evangelische Johanneskirche zurückgesetzt vom Charlottenplatz in der Esslinger Oststadt. Das soll sich nun ändern. Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen plant dort gemeinsam mit der Johanneskirchengemeinde den Neubau eines Gemeindehauses direkt neben der Kirche. Damit soll auch die Kirche optisch nach vorne gerückt werden.

Goldmann, Weißenborn, Berger, Hermann, Schwab, Barth mit Modell - Foto: Ch. Reusch
Der Neubau ist Teil der Raumkonzeption der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen. Sie beinhalte sowohl die Reduzierung von Flächen und Gebäuden wie auch deren Konzentration, erklärt Dekan Bernd Weißenborn. Im neuen Gemeindehaus sollen sowohl das Pfarramt, ein Gemeindesaal wie auch Räume für ein Jugendcafé und andere Begegnungsmöglichkeiten entstehen, erläutert Bernhard Schwab, Vorsitzender des Kirchengemeinderats der Johanneskirche. Bisher trafen sich die Gruppen und Kreise der Johanneskirchengemeinde an vielen „Spielorten“, sagt Pfarrer Christof Hermann. Wenn künftig alles unter einem Dach Platz finde, könne sich die Gemeinde auch mehr als Einheit wahrnehmen.
Energiesparendes Haus
Weil das bisherige Gemeindehaus hinter der Kirche alt und sanierungsbedürftig ist und immense Energiekosten verschlingt, entschied man sich für einen Neubau, der energetisch auf neuestem Stand ist. Dafür sorgt unter anderem eine Pelletheizung. Man unterschreite die gesetzlichen energetischen Anforderungen um bis zu 60 Prozent, erklärte Architekt Werner Barth, in dessen Esslinger Architekturbüro die Pläne für den Neubau entstanden sind.
Langgestreckter Neubau
Für das Architekturbüro Barth und Partner war es keine leichte Aufgabe, für das schmale Grundstück neben der Kirche ein ansprechendes und zweckmäßiges Gebäude zu entwerfen. Ein langgestreckter zweigeschossiger und nur knapp sieben Meter breiter Baukörper wird bis an die Neckarstraße heranreichen und damit auch die Kirche optisch vorrücken. Verbunden wird das Flachdachgebäude mit der Kirche über einen ebenfalls zweigeschossigen Glaskörper, der viel Licht in Kirche und Gemeindehaus lässt. „Die natürliche Belichtung sollte bestehen bleiben“, erklärt Barth. Zur Neckarstraße hin soll das Pfarramt unterkommen, im hinteren Bereich plant Barth den Gemeindesaal und weitere Räume für die Kirchengemeinde. Frühestens nach den Sommerferien soll mit dem Bau begonnen werden, kündigt er an.
Impulse in den Stadtteil
Der Neubau soll nicht nur architektonische Akzente am Charlottenplatz setzen, sondern auch Impulse in den Stadtteil aussenden, wünscht sich Dekan Weißenborn. Da der Charlottenplatz die Mitte der Oststadt sei, komme der Johanneskirche eine wichtige Funktion bei der Neugestaltung dieser Mitte zu., ist Hermann überzeugt. Bisher friste die Kirche ein „Dornröschendasein“ und sei fast nur am Sonntag zu den Gottesdiensten geöffnet.
Kirche öfter offen
Wenn künftig gleich nebenan das Gemeindehaus liege, könne die gut 100 Jahre alte, einst im Jugendstil erbaute Kirche, viel öfter ihre Pforten öffnen, ist Hermann sicher. Weil die Räume im neuen Gemeindehaus kleiner werden, wolle man die Kirche verstärkt auch für Veranstaltungen nutzen. „Wir wollen uns aber bewusst nicht nur für die Mitglieder der Kirchengemeinde, sondern darüber hinaus für alle Nachbarn öffnen“, betont Hermann. So könne sich die Kirchengemeinde durchaus vorstellen, dass Beratungsmöglichkeiten für Menschen in Notlagen oder Angebote für Jugendliche und Familien dort Raum finden. Dafür wolle man noch Partner gewinnen. „Wir wollen einladend sein über die Kirchengemeinde hinaus“, sagt der Pfarrer.
Gut 1,1 Millionen Euro werden Bau und Einrichtung des neuen Gemeindehauses kosten, erklärt Kirchenpfleger Hans-Jochen Berger. Finanziert wird das Vorhaben ausschließlich aus kirchlichen Geldern. 535 000 Euro übernimmt die Evangelische Gesamtkirchengemeinde, 380 000 Euro tragen Kirchenbezirk und Württembergische Landeskirche. 190 000 Euro muss die Johanneskirchengemeinde selbst aufbringen.
Udo Goldmann ist Fundraiser
Um diesen Kraftakt zu schultern, sei man auf Spender und Sponsoren angewiesen, betont Schwab. Diese zu finden, ist die Aufgabe von Udo Goldmann. Der frühere Esslinger Kultur- und Sozialbürgermeister hat sich ehrenamtlich in den Dienst der guten Sache gestellt. „Vorhaben in dieser Größenordnung können nur verwirklicht werden, wenn möglichst viele Gemeindemitglieder sich beteiligen, ideell und finanziell“, sagt Goldmann. Weil der Neubau positive Auswirkungen in den Stadtteil hinein haben werde, erhofft er sich auch Unterstützung von Menschen, die nicht zur Kirchengemeinde gehören.
Auch Bernd Weißenborn ist sich der Dimension des Vorhabens bewusst: „Es ist das größte aktuelle Bauprojekt der Gesamtkirchengemeinde neben dem Hospizhaus.“
Autor: Ulrike Rapp-Hirrlinger
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