Eine mittelalterliche Kirche


1275 taucht die Pfarrei Aichschieß erstmals in den Akten des Bistums Konstanz auf. Damals musste der „rector“ genannte Pfarrer Kreuzzugssteuern zahlen.
Am 11. September 1449 wurde Aichschieß durch Truppen der Reichsstadt Esslingen zerstört. Die Bevölkerung floh und der Ort war noch 1453 verlassen. 1454 wurde die Kirche wiederaufgebaut: an der Nordostecke des Chores ist die Jahreszahl MCCCCLIV eingemeißelt.

Wandmalereien an der Nordwand des Langhauses, die um 1300 entstanden sind, beweisen, dass Teile der älteren Kirche in den Neubau übernommen wurden. Von der Malerei ist nur noch die Unterzeichnung erhalten; die nachträglich aufgebrachten Farbschichten, die der Charakterisierung von Stoffen und Gelände dienten, sind durch die Abnahme der späteren Übertünchung gänzlich verloren gegangen. Dennoch ist die hohe Qualität dieser Malerei noch erkennbar. Ihr Hauptelement sind die präzisen, spannungsvollen Linien. Ursprünglich war der ganze Chor ausgemalt, wie dies heute noch im Ortsteil Aichelberg zu sehen ist.

Von der spätmittelalterlichen Ausstattung der Kirche sind noch drei Holzskulpturen erhalten. In der Spitzbogennische der Südwand, deren Bogen sich früher zum Turm hin öffnete, hängen zwei Reliefs der Erzapostel Petrus und Paulus, entstanden in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts als Reste eines kleinen Flügelaltars.

Eine qualitätvolle Arbeit ist das Altarkruzifix. Die schlanke Darstellung des Gekreuzigten mit dem knappen Lendenschurz und die Form des Kopfes deuten auf die Entstehung in einer Ulmer Werkstatt hin, und zwar in der Zeit um 1470/80.


Neuere Kunst in der erneuerten Kirche

Seit zehn Jahren hängt in der Kirche wieder das interessante Epitaph für den jung verstorbenen Magister Johann Christoph Hölderlin (1689–1718).

Die bereits im Zusammenhang mit den Wandmalereien im Chor erwähnte Renovierung der Kirche 1951/52 veränderte den Charakter der alten Dorfkirche vollkommen. Die kleine Orgel, 1896 von Carl Schaefer gebaut und auf der Chorempore aufgestellt, wanderte auf die Westempore. Hier wurde sie 2009 von Andreas Schmutz in ihren Originalzustand zurück versetzt.
Der Strümpfelbacher Bildhauer Karl Ulrich Nuss (geb. 1943) schuf 1985 den Bronzedeckel für den alten Taufstein.

Die letzte und größte Anschaffung für das Aichschießer Kirchlein stellen die Glasmalereien in den drei Chorfenstern dar. Einen 1999/2000 durchgeführten Wettbewerb gewann die Glaskünstlerin Renate Groß (geb. 1949 in Bad Tölz).