Die historische Chorturmkirche in Aichwald-Schanbach wurde umfasssend renoviert.

Ein halbes Jahr lang war die evangelische Kirche in Aichwald-Schanbach eingerüstet. Jetzt erstrahlt die Außenfassade der Chorturmkirche nach umfangreicher Sanierung in neuem Glanz. Wind, Wetter und Abgase hatten ihre Spuren an der um 1500 erbauten Kirche hinterlassen.

Dass die Westfassade des Baudenkmals starke Witterungsschäden hat und einen neuen Anstrich braucht, sei dem Kirchengemeinderat schon seit über zwanzig Jahren klar gewesen, sagt Jochen Keltsch, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Aichwald. "Doch bis dies nun endlich ausgeführt werden konnte, waren viele Hürden zu überwinden und manche Umwege zu gehen." Weil ein Stromausfall ausgerechnet zu Heilig Abend 2005 deutlich machte, wie sanierungsbedürftig die Elektroinstallation war, musste zunächst die Innenrenovierung der Kirche angegangen und aus den für die Renovierung angesparten Geldern der Kirchengemeinde finanziert werden. Diese fand 2008 statt.

Weitere fünf Jahre vergingen, bis die Kirchengemeinde die nötigen Finanzmittel zusammen hatte, um einen Architekten mit der Außenrenovierung zu beauftragen. Als dieser 2013 nicht nur die Fassade in Augenschein nahm, sondern auch Turm und Dach genauer untersuchte, wurde festgestellt, dass Fachwerk, Ortgänge, Traufen und Anschlüsse eine gründlichere Sanierung benötigen, als ursprünglich gedacht. Für die Kirchengemeinde bedeutete dies, dass drei weitere Jahre lang gesammelt und gespart werden musste, damit die dafür notwendigen Mittel zusammenkamen.

Vor Beginn der Sanierungsarbeiten wurden Denkmalschutz und Naturschutz gehört. Dabei stellte sich bei aufwändigen Untersuchungen heraus, dass in der Kirche auch Vögel und Fledermäuse nisten, die es zu schützen gilt. So konnte das Gerüst erst im Oktober 2017 aufgestellt werden. Danach mussten sich die Handwerker umso mehr beeilen, damit es Ende Mai, ehe Vögel und Fledermäuse für ihren Nachwuchs sorgen, wieder abgebaut werden konnte. "Die Handwerker haben gute Arbeit geleistet", freut sich Pfarrer Keltsch.

Fachwerk und Dach-Anschlüsse wurden so überarbeitet, dass der Regen weniger Chancen hat ins Gebäude einzudringen. Der Denkmalschutz legte Wert darauf, dass das seltene "Schulterdach" erhalten bleibt. Bei dieser Dachform "hängt" das Dach zwischen den Fassaden. Das brachte einen besonderen Aufwand an Flaschner- und Dichtungsarbeiten mit sich. Im Sockelbereich wurde anders als früher keine wasserdichte Farbe aufgetragen, damit keine Feuchtigkeit ins Mauerwerk eindringt, sondern eine möglichst durchlässige Farbe, damit die Mauer trocknen kann. Die Fassade erhielt einen neuen Anstrich und auch die Zifferblätter der Turmuhr leuchten wieder in kräftigen Farben. Für den Steinmetz gab es spezielle Arbeiten auf dem Dach und im Sockelbereich. So erhielt die Kirche ein neues Schmuckstück: das Giebelkreuz. Das alte musste abgenommen werden, ehe es einfach auseinandergefallen wäre. Es wird restauriert und in der Kirche aufgestellt. Eine neue Lüftungsautomatik wird für ein gutes Klima in der Kirche sorgen, damit sich kein Schimmel bildet. "Damit ist die Kirche fit für die Zukunft", betont Keltsch.

Insgesamt hat die Sanierung etwa 260.000 Euro gekostet. Rund 120.000 Euro muss die Kirchengemeinde selbst tragen. Diese Summe konnte nur aufgebracht werden, weil viele Menschen gespendet haben - Geld, aber auch Zeit. Immer wieder gab es Fundraising-Aktionen wie Kuchenverkauf, Fischessen an Karfreitag oder Adventskranzbinden. Das ehrenamtlich arbeitende Mesnerteam erspart der Kirchengemeinde jährlich eine stattliche Summe, die ebenfalls in die Kirchenrenovierung fließt. Auch die "Vier-Kirchen-Stiftung Aichwald" dient dem Erhalt der vier historischen evangelischen Kirchen in der Schurwaldgemeinde. Obwohl die Stiftung erst 2014 gegründet wurde, konnte sie aus ihren Erträgen die Renovierung der Kirche finanziell unterstützen. Zuschüsse erwartet die Kirchengemeinde von der Evangelischen Landeskirche der Gemeinde Aichwald.

2018-07: Pressemitteilung, Rapp-Hirrlinger