02.07.10

Mit Leib und Seele für ihre Kirche da

Seit 25 Jahren ist Marieluise Reichel Mesnerin der Evangelischen Kirchengemeinde Hochdorf. Und noch immer sagt die heute 57-Jährige. „Ich freue mich auf jeden Sonntag.“

Marieluise Reichel in der Hochdorfer Kirche - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

Marieluise Reichel in der Hochdorfer Kirche - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

Als vor 25 Jahren der damalige Hochdorfer Pfarrer bei Marieluise Reichel nachfragte, ob sie nicht den Mesnerdienst übernehmen wolle, sah die Mutter von damals zwei kleinen Kindern die Chance, die die freie Zeiteinteilung ihr bieten würde. Schon damals war die gebürtige Hochdorferin, die eigentlich einen kaufmännischen Beruf erlernt hat, in der Kirchengemeinde aktiv, sang im Kirchenchor und engagierte sich in der Kinderkirche. Inzwischen sind die Kinder längst erwachsen, doch Marieluise Reichel ist ihrer Kirche treu geblieben. „Es macht einfach Freude.“

 

Der Begriff „Mesner“ leitet sich vom lateinischen „Mansionarius“ ab, was so viel wie „Haushüter“ bedeutet. Und genau so versteht die Hochdorfer Mesnerin ihren Dienst. Gerade die Vielfalt ihrer Aufgaben reizt sie. Es gilt, die Kirche sauber zu halten und den Außenbereich mit dem vielen Grün zu pflegen. Dort wachsen auch üppig die Blumen und Pflanzen, die die Mesnerin für den sonntäglichen Blumenschmuck verwendet.

 

Am schönsten aber findet Marieluise Reichel die Vorbereitung und Begleitung der Gottesdienste. Das fängt mit dem Läuten der Glocken eine Stunde vor Gottesdienstbeginn an. Dann muss die Mesnerin wie auch bei Beerdigungen oder Trauungen zur Stelle sein, denn anders als in den meisten anderen Gemeinden, steuert in Hochdorf kein Computer das Geläut.

 

"Schaltzentrale" am Mesnerplatz

 

Von ihrem Platz im Kirchenschiff aus drückt die Mesnerin die vielen Knöpfe, die nicht nur das Glockengeläut, sondern auch Licht, Heizung und Mikrofon regeln. „Mein Alptraum ist, das Läuten einmal zu vergessen“, gesteht sie. Ihr selbst ist das noch nie passiert und eine automatische Steuerung findet sie unnötig. Selbst an Silvester bedient sie um Mitternacht eigenhändig das Geläut.


Dass sie Frühaufsteherin ist, kommt ihr am Sonntagmorgen zu Gute. „Ich genieße es, früh da zu sein und alles in Ruhe für den Gottesdienst herzurichten. Das ist wie eine kleine Andacht.“ Dann steckt sie die Liednummern auf, zündet die Kerzen an, füllt bei Bedarf die Abendmahlskelche und richtet das Brot her, stellt für Taufen das Wasser bereit und legt Liedblätter aus. Oft ist ihr Mann Christian noch vor ihr in der Kirche. Der Orgelbauer sitzt sonntags als Organist auf der Empore.


"Es war mir noch nie zuviel"

 

15 Stunden stehen Marieluise Reichel eigentlich für ihren Dienst zur Verfügung – nicht viel bei den zahlreichen Aufgaben, weiß auch Pfarrerin Andrea Rosenberger-Herb. „Ich rechne da nicht so genau. Bisher war es mir noch nie zu viel“, sagt die Mesnerin. Auch nicht, wenn mit Weihnachten oder Konfirmationen die wirklich anstrengenden Zeiten anbrechen. Für ein ausgefeiltes Weihnachtsmahl bleibt bei Familie Reichel keine Zeit. „Ich lade halt zum Kaffee ein“, nimmt es Marieluise Reichel ganz gelassen. Zwei Vertreter sorgen dafür, dass sie auch mal frei hat – offiziell jeden sechsten Sonntag.


In 25 Jahren gelassener geworden

 

„Die Liebe zur Kirche“ nennt Marieluise Reichel als wichtigste Eigenschaft eines guten Mesners. „Eine Kirche zu putzen ist etwas ganz anderes, als ein Privathaus. Ich empfinde einfach Freude, wenn ich die Kirche betrete.“ In einem Vierteljahrhundert sind Pfarrerinnen und Pfarrer gekommen und gegangen. Sie selbst hat Routine gewonnen und geht gelassener auch an die kirchlichen „Großereignisse“ heran.

 

Diese Sicherheit und Verlässlichkeit ist auch für Andrea Rosenberger-Herb eine Beruhigung. „Ich weiß, es ist immer an alles gedacht.“Für Pfarrer sei der Mesner ein wichtiger Partner: „Es ist eine große Beruhigung, wenn sich jemand auskennt und mitdenkt“, weiß die Pfarrerin vor allem aus ihrer Anfangszeit in Hochdorf.

 

Pfarrer und Mesner sind Partner

 

Doch starr am Bestehenden festzuhalten, ist nicht Marieluise Reichels Ding. Das schätzt auch die Pfarrerin: „Wenn man was Neues ausprobieren will, braucht man eine Mesnerin, die das mitmacht.“ Sie sieht Pfarrer und Mesner als Partner, von denen jeder seinen Part hat und die sich gegenseitig unterstützen. Diese Vorstellung teilt Marieluise Reichel: „Die Zusammenarbeit mit allen Pfarrern war bisher gut, deshalb mache ich meine Arbeit auch so gerne.“