04.02.13

Kirche mal anders…

Einmal im Jahr ist das Evangelische Gemeindehaus in Esslingen-Zell fest in der Hand der Eisenbahner, genauer gesagt der Modelleisenbahner. Am vergangenen Wochenende wurde wieder gewerkelt, getüftelt und geschraubt.

Modelleisenbahn-Wochenende - Foto: Ch. Reusch

Modelleisenbahn-Wochenende - Foto: Ch. Reusch

Angefangen hatte alles vor zehn Jahren, als der damalige Ortspfarrer Ernst-Michael Dörrfuß zusammen mit einigen anderen Modelleisenbahnfans zu einem „Eisenbahn-Männerwochenende“ einlud. Man wollte deutlich machen: Kirche kann auch anders sein. Veranstaltungen für Frauen gibt es viele, sagten sich die Initiatoren, wo bleiben die Angebote für Männer? Aus kleinen Anfängen ist in Zell inzwischen eine feste Veranstaltung geworden. In diesem Jahr waren 35 Menschen zusammengekommen, um ihre Anlagen, ihre Loks, Schienen und Wagen beizusteuern. In diesem Jahr gab’s zum Jubiläum rote T-Shirts für die Modelleisenbahner. Neben einem Bild der Ortskirche prangt das Motto des Zeller Modellbahntreffs: „Kirche mal anders…“

 

Andacht mit Dekan

 

Den Auftakt macht in jedem Jahr eine Andacht zum Thema „Eisenbahn“. In diesem Jahr kam sogar hoher Besuch aus Esslingen: Dekan Bernd Weißenborn ließ es sich nicht nehmen, zum Jubiläum selber die Andacht zu halten. Dann wurden Streckenpläne entworfen, Gleise zusammengesteckt, Weichen installiert und Trafos und Stellwerke angeschlossen.


Von Spur 1 bis zur Minispur war alles vorhanden, so mussten verschiedene Anlagen gebaut werden. Klaus-Peter Röcker war mit einer analogen Anlage gekommen, sein Enkel Jan-Lukas Schmidt aus Rommelshausen schwört auf die digitale Modellbahn.


Generationenübergreifender, offener Kreis

 

Fertige Kleinanlagen waren zu bewundern und auf den zusammengerückten Gemeindehaustischen wurde eine große H0-Anlage zusammengestellt. „Natürlich sind die Gleise gekennzeichnet, damit auch jeder sein Material wieder nach Hause nehmen kann,“ verrät Gottfried Fetzer, in dessen Händen die Organisation des Treffens liegt. Ihm ist der gemeinschaftliche Aspekt des Modelleisenbahnwochenendes wichtig: „Es ist doch schön, wenn Menschen etwas miteinander machen!“ So seien am Freitagabend etliche Modelleisenbahner bis Mitternacht bei der Sache gewesen. „Wir sind kein abgeschlossener Kreis, sondern offen für neue Gesichter.“ betont Fetzer. Der älteste Modelleisenbahner ist 72, der jüngste gerade mal fünf Jahre alt. So ist das Wochenende auch generationenübergreifend.


Auch Frauen  sind Eisenbahnfans

 

Im Herbst trifft man sich dann zu einem Ausflug, der stets zu einem echten Eisenbahnerziel führt: einer stillgelegten Zahnradbahnstrecke oder einem Lokschuppen. In den Anfangsjahren waren ausschließlich Männer angesprochen. „Frauen waren damals nur in Begleitung eines Hefezopfs zugelassen“ erzählt Gottfried Fetzer augenzwinkernd. Doch inzwischen ist man offen für alle, die Interesse haben. So hat sich auch die neunjährige Julia Hummel eingefunden. Sie findet es schön, alles anschauen und spielen zu können.

 

Am Sonntag nach dem Gottesdienst ist dann das Gemeindehaus für die ganze Gemeinde geöffnet. „Da ist’s wirklich voll!“ schwärmt Fetzer.