10.06.10

Ein Leuchtturm im Netzwerk der Hilfen

Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen unterstützt Anlaufstelle für Essstörungen mit 24 000 Euro – Arbeit für weitere drei Jahre gesichert

Symbolische Scheckübergabe vor dem Otto-Riethmüller-Haus in Esslingen mit Barbara Hammann, Dieter Krug, Bernd Haußels, Eberhard Haußmann, Roland Kachler (von links) - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

24 000 Euro für die Anlaufstelle - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

„Wir dachten schon, es geht nicht mehr weiter, doch dank der Unterstützung durch die Stiftung der Kreissparkasse und das Land Baden-Württemberg ist die Arbeit der Anlauf- und Beratungsstelle für Essstörungen nun für weitere drei Jahre gesichert“, freut sich Eberhard Haußmann, der Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands Esslingen (KDV). 24 000 Euro überreichte Bernd Haußels, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, für die nächsten drei Jahre an Haußmann.

Seit neun Jahren berät und begleitet die Anlauf- und Beratungsstelle für Essstörungen, die bei der Psychologischen Beratungsstelle Esslingen des KDV angesiedelt ist, Menschen mit Essstörungen und deren Angehörige. Eine halbe Personalstelle steht dafür zur Verfügung. Finanziert wird die Arbeit bisher vor allem über Spenden und Sponsorengelder, sowie durch den KDV. Durch Vermittlung des Landkreises beteiligt sich nun auch das Land an der Finanzierung. Immerhin rund 35 000 Euro müssen pro Jahr aufgebracht werden.

Fachkompetenz in einer Hand

 

„Die zentrale Anlaufstelle ist ein wichtiger Baustein im Netzwerk der Hilfen im Kreis. Hier liegt große Fachkompetenz in einer Hand“, betont Dieter Krug, Sozialdezernent des Landkreises, die Bedeutung der Arbeit. Mit der Einrichtung der Stelle 2001 sei man Vorreiter auf Landkreisebene gewesen. Die Anlaufstelle leiste zudem wertvolle Präventionsarbeit, ergänzt Elke Klös, die Beauftragte für Suchtprophylaxe des Landkreises.

Essstörungen als "Zeitkrankheit"

 

Ein „Leuchtturm“ für Betroffene und Angehörige wolle die Anlaufstelle sein, erklärt Roland Kachler, der Leiter der Psychologischen Beratungsstelle. In den letzten neun Jahren habe sich viel verändert, das gesellschaftliche Bewusstsein der Krankheit gegenüber sei gewachsen, berichtet Kachler. „Doch sie wird uns weiter beschäftigen, denn sie ist eine Zeitkrankheit“, ist der Theologe und Psychotherapeut sicher.

„Man muss dieses Thema aus der Tabu-Ecke herausholen, denn es betrifft alle Bevölkerungsschichten“, betont auch Bernd Haußels. Weil man um „die hohe Bedeutung und Akzeptanz“ der Anlaufstelle wisse, gebe die Stiftung der Kreissparkasse nun bereits zum vierten Mal Geld für deren Arbeit, während sie für andere Projekte meist nur Anschubfinanzierung leiste.

Niederschwelliges Angebot

 

„Es ist ein niederschwelliges Angebot, denn wir wollen die Betroffenen möglichst früh erreichen“, erklärt Barbara Hammann. Dann nämlich sind die Heilungschancen besonders gut. Die Sozialpädagogin und Familientherapeutin berät nicht nur Erkrankte, sucht für sie geeignete Therapieformen und vermittelt in ambulante oder stationäre Therapien weiter. Sie begleitet auch Gruppen von Betroffenen und Eltern und ist zudem vorbeugend tätig, geht in Schulen und Kindergärten oder klärt Ärzte über Essstörungen auf.

Betroffene werden immer jünger

 

Magersucht und Bulimie sind die häufigsten Krankheitsbilder, mit denen Barbara Hammann zu tun hat. Zugenommen hätten aber auch Fälle von sogenanntem „Binch-Eating“, also Heißhungeranfälle. Überwiegend sind es junge Mädchen und Frauen, die sich an die Fachfrau wenden. Doch die Zahl junger Männer nehme zu, berichtet sie. Unter 93 Neuaufnahmen im vergangenen Jahr waren immerhin sieben Männer. Die Betroffenen werden zudem immer jünger, viele sind unter 13 Jahren, manche kommen bereits mit sieben oder acht Jahren. „Das ist einerseits positiv, weil wir sie ja möglichst früh erreichen wollen, andererseits ist es auch ein Alarmzeichen“, betont Kachler.

 

Zwar seien gesellschaftliche Einflüsse wie Model-Shows und Diäten nicht direkt ein Grund, warum jemand Essstörungen entwickle. Sie könnten aber dazu beitragen, dass Menschen auf psychische Verletzungen so reagierten, erläutert Hammann. Um möglichst rasch Hilfe zu bieten, bekommen Betroffene innerhalb von zwei bis drei Wochen einen Termin in der Beratungsstelle im Otto-Riethmüller-Haus in der Berliner Straße 27 in Esslingen.

Kontakt: Anlauf- und Beratungsstelle für Essstörungen, Berliner Straße 27 (Otto-Riethmüller-Haus), 73728 Esslingen, Tel. 0711 - 342157-100