12.05.16

Michael Waldmann ist neuer KDV-Vorsitzender

Der Nürtinger evangelische Dekan Michael Waldmann ist zum Vorsitzenden des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen (KDV) gewählt worden. Er ist Nachfolger des Esslinger Dekans Bernd Weißenborn, der das Amt nach sechs Jahren aufgibt. Der Vorsitzende des Kreisdiakonieverbandes ist auch einer der beiden Vorsitzenden der Diakonie im Landkreis Esslingen (DiL). Dekan Michael Waldmann wurde auch zum ersten Vorsitzenden der DiL gewählt.

Zum Abschied einen Engel: Waldmann, Weißenborn, Haußmann (v.l.) - Foto: URH

Dass ihm dieser Schritt nicht leichtfällt, gab Weißenborn unumwunden zu - zumal er für die Diakonie noch viele Herausforderungen sieht. Nach einer gesundheitlichen Krise, die er zwar vollständig überwunden habe, wünsche er sich dennoch mehr Freiraum „einige Dinge neu zu sortieren und zu strukturieren“. Mit Weißenborn scheidet auch der Wendlinger Pfarrer Stefan Wannenwetsch aus dem Vorstand des KDV aus. Für ihn rückt als Beisitzer der Esslinger Diakoniepfarrer Martin Maile ins Gremium nach.  "Für sie beide war Diakonie gelebter Glaube. Sie haben das Leitbild ‚Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat‘ mit geprägt“, dankte Werner Weiß, der stellvertretende KDV-Vorsitzende, den beiden scheidenden Vorstandsmitgliedern im Rahmen der KDV-Verbandsversammlung im Esslinger Theodor-Rothschild-Haus. Der KDV verstehe sich nicht als reines Sozialunternehmen, sondern habe immer auch den Aspekt der Seelsorge im Blick. Gerade dies sei Weißenborn wichtig. Als „verlässlich, einfühlsam, den Menschen zugewandt und ihren Nöten gegenüber aufgeschlossen“ habe er Weißenborn erlebt.

 

Ein diakonisches Herz entwickelt


Michael Waldmann tritt sein neues Amt „mit großem Respekt für diese Aufgabe“ an. Zuversicht gebe ihm, dass er ein starkes Team an seiner Seite habe. Mit diakonischen Aufgaben sei er schon im Vikariat und später als Gemeindepfarrer in Wernau in Berührung gekommen, erzählt der 61-Jährige. Seit 2014 ist er auch Vorsitzender des Esslinger Vereins Heimstatt. So habe er im Laufe seines Lebens ein „diakonisches Herz“ entwickelt, verrät Waldmann. „Ich schätze an meiner evangelischen Kirche das Markenzeichen Diakonie“, betont er. Immer wieder gelte es, die Balance zu halten zwischen Wort und Tat. Das mache die Diakonie aus. Vertrauen auszustrahlen „nach Innen wie nach Außen“ sei eine weitere wichtige Grundlage, um die diakonische Arbeit gut zu tun.


Diakonie als mahnende Stimme

 

Weißenborn sieht den KDV vor großen Herausforderungen. Mit Sorge sieht er nicht nur, dass zunehmend bezahlbarer Wohnraum fehle, sondern auch, dass die Schere zwischen Arm und Reich auch im Landkreis Esslingen immer weiter auseinandergehe. „Die Diakonie wird deshalb dringend weiter gebraucht. Sie muss eine mahnende Stimme sein gegen Fehlentwicklungen“, betonte er.

 

„Gerechtigkeit und Barmherzigkeit" als Motto


2015 ist der KDV zehn Jahre alt geworden. Wie viel den Verband in dieser Zeit und vor allem im Jubiläumsjahr bewegt hat, beschrieb Geschäftsführer Eberhard Haußmann: die Teilnahme am evangelischen Kirchentag in Stuttgart, zehn Jahre Hartz-IV, 20 Jahre Fildertafel und ein neuer Diakonieladen in Wendlingen, zehn Jahre diakonische Rundgänge und Unterstützungsangebote an vielen Orten. „Wir sind dezentral unterwegs und wollen Gesellschaft mitgestalten.“ Nach wie vor leite den Verband das Motto „Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“. Das Jubiläum habe den KDV nach innen und außen gestärkt, ist Weißenborn sicher. Etliche neue Angebote seien 2015 auf den Weg gebracht worden, darunter auch die Wohnraumarbeit mit Menschen in desorganisierten Haushalten.


Flüchtlingsarbeit als wichtige Aufgabe

 

Mit der Flüchtlingsarbeit habe der KDV ebenfalls ein wichtiges neues Arbeitsfeld betreten, so Weißenborn. Weitere Stellen zur Betreuung von Ehrenamtlichen würden derzeit besetzt. Als „Zukunftsvision“ schwebt ihm ein Fachdienst für Flüchtlingsarbeit im KDV vor. Auch wenn Kirche und Diakonie fest an der Seite der Flüchtlinge stehe, dürfe man jedoch die anderen Bedürftigen in der Gesellschaft nicht vergessen. Schon jetzt gebe es viel Unzufriedenheit. Dass der Sozialneid wächst, sieht auch Waldmann. „Wir müssen Wege finden, damit umzugehen, und wir müssen aufpassen, dass uns diese Haltung nicht kaputtmacht.“ Weißenborn ist sicher: „Solange wird professionell, solide, transparent am Menschen orientiert und glaubwürdig am biblischen Auftrag ausgerichtet sind, werden wir weiterhin Vertrauen genießen.“