12.07.10

Der Blick hat sich geweitet

Martin Allmendinger, Markus Benz und Martin Hug aus dem Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen wurden 2007 für sechs Jahre in die Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gewählt. Nun haben sie in der Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Esslingen über ihre Arbeit in der gesetzgebenden Versammlung der Kirchenleitung berichtet.

Martin Hug, Martin Allmendinger und Markus Benz (v. links) - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

Landessynodale Hug, Allmendinger und Benz - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

Ähnlich einem politischen Parlament beschäftigen sich die 95 Mitglieder der Landessynode mit vielen unterschiedlichen Gesetzen, Regelungen, Leitlinien kirchlicher Arbeit oder Vereinbarungen. Organisiert sind die Landessynodalen in sogenannten Gesprächskreisen, die unterschiedliche Richtungen in der Evangelischen Kirche vertreten. In Zeiten, in denen die Kirchensteuereinnahmen aufgrund der Wirtschaftskrise und der demografischen Entwicklung zurückgehen, bekommt der Finanzausschuss zusätzliches Gewicht.

 

Als jüngstes Mitglied der Synode muss sich Markus Benz (31) dort als Mitglied des Gesprächskreises „Offene Kirche“ unter anderem mit den Fragen beschäftigen, „wie die Kirche auch in Zukunft handlungsfähig bleiben kann und wie mit kirchlichen Immobilien umgegangen wird.“ In diesem Zusammenhang berichtete er, dass es noch immer keinen Käufer für das Kloster Denkendorf gebe.


Erfahrungen auch für Beruf wertvoll

 

„Ich habe viel gelernt darüber, wie politische Gremien und Entscheidungsprozesse funktionieren und wie schwierig es ist, Sparmaßnahmen durchzusetzen“, erzählt er über seine erste „Halbzeit“ in der Synode. Für seine Arbeit als Geschäftsführer des Stadtjungendrings Esslingen seien diese Erfahrungen wertvoll. In den Ausschüssen können Synodale ihr Wissen und ihre Anliegen eher einbringen, als im großen Gremium, ist sich auch Martin Hug sicher.


Der Pfarrer der Esslinger Stadt- und Frauenkirchengemeinde, der dem Gesprächskreis „Evangelium und Kirche“ angehört, hat als Mitglied im Theologischen Ausschuss vor allem mit Fragen zu tun, die sich mit Konfirmandenunterricht , Taufe, Beichte oder Gottesdienst, dem Pfarrstellenplan oder der Qualifizierung von Diakonen beschäftigen. Er informierte die Bezirkssynode darüber, dass die Landeskirche künftig Projekte mit missionarischem Charakter in Kirchengemeinden oder Bezirken über ein Zentrum Mission unterstützen werde.

 

Veränderte Perspektive

 

„Mein Blick hat sich geweitet. Manche Fragen vor Ort sehen ganz anders aus vor dem Horizont der landeskirchlichen Perspektive. Und die Unzufriedenheit mit manchen Entscheidungen der Kirche relativiert sich, wenn man die Gegebenheiten hinter den Entscheidungen kennt“, betont er. Spannend werde es in der nächsten Sitzung, wenn sich die Synode mit dem Thema „Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ befasse.


Für Absenkung des Wahlalters

 

Das ist auch für Martin Allmendinger ein wichtiges Thema. Der Diakon aus Denkendorf will aber auch dazu beitragen, „dass die Gemeinden mehr als bisher selbständig mitgestalten können.“ Aus diesem Grund habe sein Gesprächskreis, die „Kirche für morgen“ auch initiiert, dass die Modalitäten für die Besetzung der Pfarrstellen so geändert wurden, dass die Gemeinden mehr Einfluss auf die Auswahl eines neuen Pfarrers haben. Auch für die Absenkung des Wahlalters macht sich Allmendinger stark. Wer nach der Konfirmation Pate werden könne, müsse auch die kirchlichen Gremien wählen dürfen.  Allmendinger ist unter anderem Mitglied im Landeskirchenausschuss und im Diakonatsausschuss. Dort habe er auch angeregt, den Austausch unter den Diakonen zu verbessern.

 

"Antiquierte Gepflogenheiten"

 

Viele gute und interessante Gespräche gebe es über die Grenzen der Gesprächskreise hinweg in der Synode, ist Hug und Benz in dieser ersten Amtsperiode positiv aufgefallen. Ein bisschen überrascht hätten ihn manche „antiquierten Gepflogenheiten“, etwa, dass die Synodalen nicht nach Gesprächskreisen, sondern dem Alter nach sitzen, gesteht Benz.