19.12.12

Die Chancen der frühen Kinderbetreuung

Als sich der Esslinger Schelztor-Kindergarten vor zehn Jahren Kindern ab zwei Jahren öffnete, betrat die evangelische Kirche als Träger Neuland im Kirchenbezirk Esslingen. Inzwischen werden in von der evangelischen Kirche getragenen Einrichtungen im Kirchenbezirk insgesamt 13 Gruppen für Kinder unter drei Jahren angeboten. Vier weitere Krippengruppen sind in Planung.

Spaß im Bälle-Bad - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

Spaß im Bälle-Bad - Foto: URH

Nach zehn Jahren zieht Kindergartenleiterin Ute Stoye eine positive Bilanz: „Die Eltern schätzen das Angebot und die Kinder fühlen sich wohl. In der kleinen Gruppe von zehn Kindern können wir ihre Persönlichkeits- entwicklung gut fördern. Sie werden dadurch selbstbewusster.“

 

Auch Pfarrer Peter Schaal-Ahlers, der in der Evangelischen Stadt- und Frauenkirchengemeinde für die Kindergärten zuständig ist, sieht in der Betreuung unter Dreijähriger große Chancen: „Wenn die Kinder frühzeitig pädagogisch betreut werden, haben sie bessere Bildungschancen. Das ist vor allem auch für Kinder mit Migrationshintergrund wichtig.“ Manche kämen im Kindergarten erstmals mit der deutschen Sprache in Berührung, weiß Erzieherin Brigitte Vollmer, die die Krippengruppe von Anfang an leitet.

 

Gezielte Sprachförderung


„Deshalb betreiben wir ganz gezielte Sprachförderung durch eine Fachkraft“, erklärt Schaal-Ahlers. So ist der Schelztor-Kindergarten Schwerpunkt-Kita im Rahmen der Offensive „Frühe Chancen: Schwerpunkt-Kitas Sprache und Integration“ des Bundesministeriums für Familien Senioren, Frauen und Jugend. Das Förderprojekt richtet sich vor allem an Kinder unter drei Jahren. Die Sprachförderung ist auch ein wichtiger Baustein der Konzeption des Kindergartens.


Längst seien die Zeiten vorbei, in denen Eltern schief angesehen wurden, wenn sie ihre kleinen Kinder in die Kinderkrippe gaben. „Da hat ein Wandel in Kirche und Gesellschaft stattgefunden“, sagt Schaal-Ahlers. Wenn es in der Gesellschaft selbstverständlich akzeptiert wird, schon früh in den Kindergarten zu gehen, erleichtere das auch die Eingewöhnung der Kinder, ergänzt Vollmer. Anfangs habe diese Zeit oft wesentlich länger gedauert.


Wiederholungen geben Sicherheit

 

Anders als in anderen Einrichtungen praktiziert man im Schelztor-Kindergarten keine übergreifende Arbeit zwischen den beiden Gruppen der über Dreijährigen und der Kinderkrippe. „Die Kleinen haben in ihrer Gruppe ihre sichere Welt mit speziellen auf sie zugeschnittenen Angeboten“, erklärt Vollmer. So gibt es im Gruppenraum viele Bilderbücher, große Duplo-Steine statt kleiner Legos, Spiele, die nicht so lange dauern und insgesamt weniger Spielsachen. „Wir wiederholen Spiele, Geschichten und Lieder häufig, weil zu viel Neues die Kleinen überfordern würde“, sagt Vollmer. Dennoch werden sie nicht abgeschottet. Berührungspunkte mit den größeren Kindern aus den beiden anderen Gruppen gibt es unter anderem beim gemeinsamen Spiel im Garten.


Gemeinsames Vesper ist Höhepunkt

 

Weil es vor zehn Jahren praktisch noch keine Fortbildungsangebote für die Betreuung unter Dreijähriger gegeben habe, erarbeitete sich das Team die Arbeitsmethoden selbst. Immer wieder wurde das Konzept angepasst. So habe das freie Vesper, bei dem jedes Kind dann essen konnte, wann es wollte, nicht funktioniert. „Jetzt ist das gemeinsame Vespern ein Höhepunkt des Tages“, erzählt Vollmer. „Viele Kinder kennen es nicht, gemeinsam am Tisch zu sitzen“, sagt Stoye. So biete sich im Kindergarten auch die Chance, Dinge zu lernen, die in den Familien zum Teil nicht mehr praktiziert würden.


•    Der Schelztor-Kindergarten bietet 50 Plätze für Kinder ab drei Jahren und zehn Plätze für Kinder ab zwei Jahren an. Die Betreuungszeit der Kinderkrippe ist von Montag bis Freitag zwischen 7.30 Uhr und 13.30 Uhr . Die Plätze werden bevorzugt an Alleinerziehende vergeben und an Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind oder die sich in einer sozialen Notlage befinden.