23.11.10

Kindern Zukunft ermöglichen

Willi Drechsler hat vier Jahrzehnte evangelische Kindergartenarbeit in Denkendorf mitgestaltet - Vortrag am 26. November

Willi Drechsler: Engagiert für die Kindergärten - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

Willi Drechsler: Engagiert für die Kindergärten - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

„Man muss Kindern Zukunft ermöglichen“ – dieses Motto hat Willi Drechsler mehr als 40 Jahre lang in seinem Engagement für die evangelische Kindergartenarbeit in Denkendorf angetrieben. Wenn der 72-Jährige jetzt sein letztes Amt im Evangelischen Kleinkinderpflegeverein abgibt, hat er viele Veränderungen miterlebt und mit auf den Weg gebracht. Dadurch haben sich die Kindergärten von bewahrenden Einrichtungen zu gezielt fördernden Bildungsstätten entwickelt.


Seit 133 Jahren engagiert sich der Evangelische Kleinkinderpflegeverein in der Kindergartenarbeit in Denkendorf. Heute trägt er sieben der acht Kinderbetreuungseinrichtungen in der Gemeinde mit insgesamt 17 Kindergarten- und Krippengruppen. Als zweiter Vorsitzender war Willi Drechsler unter anderem für Finanzen, technischen Betrieb und Unterhaltung der Gebäude und Grundstücke, Betriebserlaubnisse und Fragen der Jugendhilfe zuständig.

 

Jeder Kindergarten tickt anders

 

Der Unternehmer konnte dabei seine praktischen Erfahrungen einbringen – auch, was die Individualität der Mitarbeiter betrifft: „Jeder Kindergarten tickt anders. Damit sich Mitarbeiter, in diesem Fall die Erzieherinnen, entfalten können, muss man die Eigenheiten und Schwerpunkte der einzelnen Einrichtungen berücksichtigen – dann blühen Kindergärten auf“, ist Willi Drechsler überzeugt.


Von Schwester Pauline geprägt

 

Seine eigene Kindergartenzeit im CVJM-Vereinshaus Anfang der 40er Jahre hat er in guter Erinnerung, auch wenn die Kindergartengruppe mit 50 Kindern nahezu doppelt so groß war wie heute. Mangels Spiel- und Sportgeräten wurde seilgehüpft und Bewegungsspiele im großen Garten gemacht. Schwester Pauline erzählte biblische Geschichten und sang viel mit den Kindern. Sie war die letzte Diakonisse in den Denkendorfer Kindergärten. Die Schwestern wurden im Lauf der Jahre von den „Tanten“ abgelöst, heute nennen die Kinder ihre Erzieherinnen längst salopp beim Vornamen. Seit einiger Zeit ergänzt ein Erzieher die bisherige Frauendomäne. „Wir haben erkannt, dass das männliche Element im Kindergarten fehlt“, sagt Drechsler.

 

Die eigene Kindergartenzeit hat Willi Drechsler geprägt. Und so sagte er 1969 zu, als ihn sein Schwiegervater bat, doch sein Amt im Vorstand des Kleinkinderpflegevereins zu übernehmen. Seine Frau bestärkte ihn darin, obwohl Willi Drechsler gerade erst mit dem Aufbau seines Autohauses begonnen hatte: „Es ist uns einfach wichtig, uns in die Gemeinschaft einzubringen.“ In der Kindergartenarbeit sah Drechsler ein lohnendes Feld: „Kinder sind unsere Zukunft, man muss in der frühen Entwicklung anfangen, sie zu fördern.“

 

Kindergarten ist keine Ersatzlösung

 

Nie kam es ihm in den Sinn, dass Kindergärten die schlechtere Alternative zu einer Betreuung zuhause sein könnten. Schließlich dürfe man die Augen vor gesellschaftlichen Entwicklungen nicht verschließen. „Wir müssen die Kindergartenarbeit so gut gestalten, dass sie keine Ersatzlösung, sondern echte Alternative ist, wo Kinder eine Heimat finden.“ Daher hat der Kleinkinderpflegeverein auch die Trägerschaft der ersten Kinderkrippen in Denkendorf übernommen. „Es ist faszinierend zu sehen, welch enge und gute Bezugspersonen Erzieherinnen für Kinder sind“, erzählt Willi Drechsler.


Moderne Bildungseinrichtungen

 

Damit Kindergärten moderne Bildungseinrichtungen sei können, müsse immer wieder am pädagogischen Konzept gefeilt, aber auch die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Das bedeutete für den Kleinkinderpflegeverein zunächst die Einrichtung weiterer Kindergärten in zum Teil eigenen oder kommunalen Gebäuden. Dadurch konnten die Gruppengrößen kontinuierlich gesenkt werden. Zwei Erzieherinnen betreuen heute im Regelfall 26 Kinder, in der Frühgruppe sind es 20, in der Kinderkrippe für unter Dreijährige nur zehn Kinder.

 

Fördern, nicht bremsen

 

So wurde zunehmend mehr pädagogische Arbeit möglich. Nicht Dressur sondern Anleitung zur Entwicklung ist dabei die Devise. „Kinder müssen sich ohne Zwang entfalten können, man muss sie fördern, nicht bremsen“, ist Willi Drechsler zutiefst überzeugt. So sind heute nicht nur vielfältige Spielgeräte und Kinderküchen, sondern auch Forscher-Ecken und Kreativangebote in den Kindergärten selbstverständlich. Denn die Kinder sollen im Kindergarten spielerisch lernen und in ihrer Kreativität gefördert werden. Christliche Erziehung ist noch immer fester Bestandteil aller Kindergärten in Denkendorf: „Damit wirken wir in die Gesellschaft hinein und geben den Kindern eine Werteorientierung“, betont Drechsler.

 

Stark ausdifferenziert wurde auch das Angebot an Betreuungszeiten und -formen, um den Bedürfnissen der Eltern möglichst entgegenzukommen. Ein Waldkindergarten kam vor einigen Jahren zum Angebot. „Das ging nur durch das große Engagement der Eltern, das heute ganz selbstverständlich ist“, erinnert sich Willi Drechsler an Zeiten, wo es nicht einmal einen Elternbeirat gab.

 

Mit den Migranten kommt die Sprachhilfe

 

Mit den ersten Migrantenkindern wurde Anfang der 70er Jahre die Integration eine wichtige Aufgabe für den Trägerverein und die Erzieherinnen. „Wir fühlen uns dem christlichen Menschenbild verpflichtet. Das bedeutet aber auch, dass wir alle Kinder so annehmen, wie sie sind, unabhängig von ihrer Herkunft, Prägung und Religionszugehörigkeit“, erklärt Drechsler. Schon früh holte man Sprachhelferinnen in die Kindergärten, um Migrantenkinder beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen.


Engagement für Kindergärten bereichert und erfüllt

 

Vor zwei Jahren hat Willi Drechsler seinAmt im Vorstand niedergelegt, jetzt gibt er auch seinen Sitz im Ausschuss des Kleinkinderpflegevereins auf. „Es gab einen erfolgreichen Generationswechsel“, freut er sich und gibt doch zu, dass ihn der Abschied von der Kindergartenarbeit wehmütig macht. „Ich verabschiede mich auch von einem Teil meines Lebens und von einem guten Team im Verein“, sagt er. Das Engagement hat ihn persönlich bereichert: „Oft kam es mir gar nicht ungelegen, vom Schreibtisch in diese so ganz andere Welt eines Kindergartens gerufen zu werden.“ Nicht nur die Gespräche mit den Erzieherinnen, denen er für ihre vielfältigen Aufgaben und ihr pädagogisches Geschick viel Anerkennung zollt, auch der unbefangene Umgang der Kinder mit ihren oft verblüffenden und offenen Fragen, hat Willi Drechsler gefallen. „Meine Arbeit als Unternehmer allein hätte mich nicht so ausgefüllt.“

 

Vortrag am 26. November

 

Am Freitag, 26. November, hält Willi Drechsler um 19.30 Uhr in der Pfarrscheuer im Klosterhof in Denkendorf in einem Vortrag Rückblick auf vier Jahrzehnte Kindergartenarbeit in Denkendorf unter dem Titel „Kindergärten im Spannungsfeld gesellschaftlicher Entwicklungen“.