24.11.08

Begegnung beim Essen in der Vesperkirche

„Gemeinsam an einem Tisch“ – ihr Motto will die erste Esslinger Vesperkirche ganz wörtlich nehmen. Arme, Einsame, aber auch Menschen, die nicht aus Not sondern aus Interesse deren Gemeinschaft suchen, sind eingeladen, miteinander zu essen und sich auf Begegnungen einzulassen.

Team mit Vesperkirchen-Logo: Von links Dekan Paul Hildebrand, Dekan Dieter Kaufmann, Anna Bantleon, beate Latendorf und Eberhard Haussmann - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

Team mit Vesperkirchen-Logo - Foto: U. Rapp-Hirrlinger

So kann eine „Gemeinde auf Zeit“ entstehen. „Es soll ein Signal der gegenseitigen Wahrnehmung sein“, erklärt der Esslinger Dekan Dieter Kaufmann, zugleich auch Vorsitzender des Kreisdiakonieverbands Esslingen.


Vom 1. bis zum 22. März wird in der evangelischen Frauenkirche zu Tisch gebeten: Jeweils von 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr gibt es ein dreigängiges Mittagessen mit Suppe, Hauptspeise und Nachtisch sowie Kaffee und Kuchen zum Preis von einem Euro. Soziale Einrichtungen werden zudem Essens-Gutscheine ausgeben und es gibt die Möglichkeit, Essen zu sponsern. Auch für die hohen Investitionskosten und zur Finanzierung der Mahlzeiten hoffen die Initiatoren noch auf Spenden.


Die Vesperkirche wird getragen von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen und dem Kreisdiakonieverband Esslingen in Kooperation unter anderem mit der Katholischen Gesamtkirchengemeinde, der Caritas, der Evangelisch-methodistischen Kirche, der Adventgemeinde, dem Verein Bürger für Berber, der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart, dem Verein Heimstatt, dem Lionsclub Neckar, dem Vinzenztreff, der Volksmission und dem ZAK. „Weil Armut keine konfessionellen Grenzen kennt“, werde das Projekt Vesperkirche in guter ökumenischer Tradition realisiert, sagt er katholische Dekan Paul Hildebrand.
Mit 300 bis 500 Essen pro Tag rechnet Anna Bantleon, die die Vesperkirche für den Kreisdiakonieverband organisatorisch betreut. Caterer von Wirtschafts- und Sozialunternehmen werden die Mahlzeiten liefern, Kuchen werden gespendet.


Begegnung in Würde am gedeckten Tisch

 

„Es soll eine Begegnung in Würde sein“, betont Anna Bantleon. Deshalb werden die Tische zwischen den Kirchenbänken schön gedeckt und mit Kerzen geschmückt. Das Essen wird von ehrenamtlichen Helfern serviert. „Es haben sich schon erstaunliche viele Menschen zur Mitarbeit gemeldet, nicht nur aus den Kirchengemeinden“, freut sich Beate Latendorf, die als Vertreterin der Evangelisch-methodistischen Kirche im Organisationsteam sitzt. Dennoch würden noch Mitarbeiter, aber auch Kuchenspender gesucht. Die ehrenamtlichen Helfer, die sich für mindestens einen Tag verpflichten müssen, werden zuvor an zwei Abenden geschult.


Diakonische Hilfen präsentieren sich

 

Außerdem stehen täglich Seelsorger bereit, die nicht nur die Gäste der Vesperkirche, sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen. Das Essensangebot wird ergänzt durch Andachten und Gottesdienste, sowie drei kulturelle Veranstaltungen. Außerdem werden die zahlreichen diakonischen und caritativen Hilfsangebote, die es bereits in Esslingen gibt, sich an der Vesperkirche beteiligen und mit Ansprechpartnern vor Ort präsent sein. „Wir wollen diesen Diensten keine Konkurrenz machen, sondern sie vielmehr stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken“, betont Dieter Kaufmann. Denn die Vesperkirche soll über die drei Wochen im März hinauswirken. „Nachhaltigkeit ist uns wichtig, so dass wir am Ende überlegen werden, wie es weitergehen kann“, erklärt Kaufmann. Ergebnis könnte sein, dass sich aus der Vesperkirche Initiativen bilden, die Bedürftige unterstützen oder, dass Lücken im sozialen Netz aufgedeckt werden.


Für Eberhard Haussmann, den Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands Esslingen, hat die Vesperkirche auch eine sozialpolitische Botschaft: „Wir werden damit die Welt nicht verändern, aber wir zeigen, dass etwa HartzIV nicht ausreicht und wir setzen ein Zeichen, dass alle eingeladen sind in der Gemeinschaft, ob sie etwas haben oder nicht.“ In Nürtingen hat man im vergangenen Jahr bereits gute Erfahrungen mit der Vesperkirche gesammelt. Neben Esslingen stellt Kirchheim in diesem Jahr seine erste Vesperkirche auf die Beine.

 

www.vesperkirche-esslingen.de