24.11.11

Die Brücke von Mensch zu Mensch

Die Geschichte der acht Evangelischen Krankenpflegevereine in Esslingen ist lang. Kamen früher bei den Vereinen angestellte Diakonissen oder Krankenschwestern ins Haus, um alte und kranke Menschen zu pflegen, haben dies 1997 die Sozialisation und ambulante Pflegedienste übernommen. Die Krankenpflegevereine organisieren seitdem vor allem Besuchsdienste und Freizeitangebote – unabhängig von Konfession oder Religion - und leisten damit einen wichtigen Beitrag im sozialen Netz. Rund 270 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die Krankenpflegevereine im Einsatz, allein knapp 150 davon im Besuchsdienst. Irmgard Diehl, Monika Zeller und Dr. Hans-Dieter Spieth sind drei von ihnen.

Logo der Esslinger Krankenpflegevereine

Logo der Esslinger Krankenpflegevereine

"Der Mensch kann ohne andere Menschen nicht Mensch sein, es muss zu Begegnungen kommen“, ist Dr. Hans-Dieter Spieth überzeugt. Deshalb engagiert sich der Mediziner im Ruhestand im Besuchsdienst des Krankenpflegevereins Esslingen-Stadtmitte. „Ich sah die Nöte der Hinfälligen und wollte ein bisschen fortsetzen, was ich 30 Jahre lang als praktischer Arzt getan hatte.“ Rasch bemerkte er, wie sich die Rolle des Fürsorgers umdrehte: „Ich lerne unheimlich viel von den Besuchten“, erzählt er, „dass alles viel besser kam, als ich mir vorgestellt hatte“. Der 73-Jährige besucht derzeit drei Menschen zweimal die Woche. Das sei eher ungewöhnlich, normalerweise besuche ein Mitarbeiter eine Person einmal pro Woche, erklärt Barbara Schmid.

 

Ehrenamtliche werden dringend gebraucht

 

Die Diplom-Theologin leitet seit zehn Jahren den Besuchsdienst des Ökumenischen Krankenpflegevereins Esslingen-Nord. „Doch die Einsamkeit wird nicht weniger, weshalb wir für neue Ehrenamtliche sehr dankbar sind.“ Diese werden regelmäßig fortgebildet und begleitet, denn manchmal  sind die Besuchsdienstmitarbeiter auch mit schwierigen Situationen konfrontiert, etwa wenn alte Menschen an Demenz oder psychischen Erkrankungen leiden. Deshalb ist die Einsatzleitung jederzeit ansprechbar auf Unsicherheiten beim Hausbesuch.

 

Weder Pflege noch Hauswirtschaft

 

Barbara Schmid und ihre Kolleginnen in den anderen Krankenpflegevereinen versuchen für den jeweiligen Besuchten den geeigneten Mitarbeiter zu finden, denn „wenn sie nicht zusammenpassen, sind guter Wille und Motivation bald aufgebraucht“. Sie klären aber auch vorab, dass die Besuchsdienstmitarbeiter weder pflegen noch hauswirtschaftliche Dienste leisten. Spazierengehen, Vorlesen, Gespräche, Spiele machen, Kaffee trinken  oder auch mal einen Stadtbummel – die Besuchsdienstmitarbeiter gehen auf die Wünsche der Besuchten ein. „Viele wollen geistige Anregung und frühere Interessen pflegen“, weiß Barbara Schmid.

 

Beziehungen wachsen

 

Oft wachse eine tiefe Beziehung, erzählt Irmgard Diehl, die seit elf Jahren im Verein „Miteinander – Füreinander“, dem früheren Krankenpflegeverein in Sulzgries, engagiert ist. Vier Menschen hat die 57-Jährige seitdem begleitet, zuhause oder im Pflegeheim. „Es ist schön, die Freude zu sehen, wenn sich jemand Zeit nimmt.“


Besondere Situation Pflegeheim

 

Schwierig ist oft der Übergang ins Pflegeheim. Deshalb haben die Krankenpflegevereine dazu eigens einen Fortbildungstag veranstaltet. Wie sehr alte Menschen darunter leiden können, wenn sie ins Heim müssen, erlebt Monika Zeller derzeit. Die 68-Jährige besucht  für „Miteinander – Füreinander“ seit einem halben Jahr eine Dame. „Sie kann diese Abhängigkeit von anderen nur schwer ertragen.“ Auch Privatsphäre sei im Heim schwerer herzustellen, ergänzt Irmgard Diehl. Denn die Ehrenamtlichen, die der Schweigepflicht unterliegen, erfahren oft sehr persönliche Dinge.


Krankenpflegevereine als Drehscheibe

 

„Wir sind als Krankenpflegevereine nah an den Menschen. Die Ehrenamtlichen sehen, wenn jemand mehr Unterstützung braucht und wir können dann als Drehscheibe fungieren und andere Dienste empfehlen“, sagt Barbara Schmid. „Auch wenn wir nicht mehr pflegen, sind wir wie vor 100 Jahren für diejenigen da, die sich nicht selbst Hilfe holen können.“ Diese „Brücke von Mensch zu Mensch“ brauche es dringender denn je.

 

Angehörige werden entlastet

 

„Wir bringen Zeit ein, die professionelle Helfer einfach nicht haben“, ergänzt Marianne Ehrmann, die Vorsitzende des Krankenpflegevereins Esslingen-Stadtmitte. Zudem entlaste man die Angehörigen. In Zukunft werde es noch mehr darum gehen, Menschen aus ihrer Isolation herauszuholen und ihnen die Möglichkeit zu geben, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Deshalb sieht Marianne Ehrmann eine wichtige Aufgabe der Krankenpflegevereine darin, stadtteilübergreifend die Angebote zur Freizeitgestaltung wie etwa Ferientage auszubauen. „Da brauchen wir die Ehrenamtlichen ganz dringend!“


Dass sie Zeit hatten und diese sinnvoll einsetzen wollten, hat Irmgard Diehl, Monika Zeller und Hans-Dieter Spieth fürs Ehrenamt motiviert. Bewusst haben sie sich für die Begleitung alter, kranker und einsamer Menschen entschieden.

 

Auf Spenden angewiesen

 

Zur Finanzierung ihrer Angebote und der Fortbildung und Begleitung der ehrenamtlich Engagierten sind die Krankenpflegevereine dringend auf Spenden angewiesen. Auch weitere ehrenamtliche Mitarbeiter werden gesucht.

 

Kontakt: 0711- 3006002 oder www.krankenpflegevereine-esslingen.de